Gott spricht: Ich schenke ihnen ein anderes Herz und schenke ihnen einen neuen Geist. Ich nehme das Herz von Stein aus ihrer Brust und gebe ihnen ein Herz von Fleisch.
Am 15. Juli war es so weit. Der Möbelwagen stand pünktlich um 7 Uhr vor der Tür in der Schulstraße 10. Schnell war der Aufzug zum Giebelfenster im 3. Stock aufgebaut. Was wir vor 16 Monaten in mühsamer Kleinarbeit die Treppen an Möbeln, Kisten und Kasten hinauf geschleppt hatten, das war in knapp drei Stunden herunter und im Möbelwagen verstaut.
Als dann der Möbelwagen mittags nach einer längeren Pause vor der Auffahrt am Pfarrhaus stand und der Aufzug zum Giebelfester an der Südseite montiert wurde, verließen die Maler durch die kleine Pforte an der Nordseite das Gelände.
- Hier ein Dank an Malermeister Tino Wrobel; er und sein Team ließen sich nie aus der Ruhe bringen trotz chaotischer Zustände, die oft auf der Baustelle herrschten
- aber zurück zum Umzug.
Trotz der neuen, kleinen, barokisierten Fensterchen schafften die Männer vom Umzugsunternehmen es in erstaunlich kurzer Zeit, den Möbelwagen zu leeren.
Die sperrigen, großen Möbelstücke wurden natürlich die Treppe hinauf getragen.
Wie gut so eine sinnreich konstruierte Treppe sein kann - Michael Weinberg hatte uns eine polnische Tischlerei vermittelt, die termingerecht und in sehr guter Qualität lieferte und montierte. Selbst das große schwere Büfett, das nicht mit umziehen konnte und die Zeit über in der Garage wartete, schafften die Männer nach oben in die Wohnung.
Um 15.30 Uhr war alles - na wenigstens der größte Teil - geschafft.
Pünktlich zum 31. Juli konnte wir das Notquartier in der alten Schule zurückgeben.
Wir sind sehr dankbar für das Erreichte - selbstverständlich ist es nun wirklich nicht.
Pfarrer Kuntze hatte es vor 80 Jahren ganz anders angepackt. Er beschreibt es in seiner Chronik:
„Der ganze Sommer stand (leider erst vom 7. August 1928 ab) im Zeichen des Pfarrhausumbaues. (...) Bei dem Umbau blieb jedenfalls kein Zimmer unberührt,
und wir flüchteten von einem Raum in den anderen.
Ungemütlichkeit und Schmutz waren einfach unbeschreiblich.
Wohl das Störendste und Ungemütlichste war, daß wir durch die Bummelei des Tischlers fast 7 Wochen lang ohne Fenster und Haustür nach der Gartenseite waren...“
Nun wird wohl auch wieder Ruhe einkehren. Wir wohnen im Pfarrhaus zusammen mit unserem Kindergarten und das ist sehr, sehr gut.
Ihnen, die Sie uns begleitet und auf verschiedene Weise geholfen haben, sei herzlich gedankt.
Für die wunderschöne Kindergartenzeit
in der Kita Kirchenmäuse
möchten wir und unsere Familien
uns ganz herzlich bedanken.
Es war eine tolle Zeit
und wir wünschen den jetzigen,
sowie natürlich allen zukünftigen Kirchenmäusen,
dass sie genauso viel
Spaß und Freude dort haben mögen.
Abitur (Latein, wie so oft) – wörtlich „es wird weggegangen“, übertragen „man geht weg“.
Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, wegzugehen, eine Mischung aus Freude und Trauer.
Trauer, weil man vieles hinter sich lassen muss:
Familie (inklusive Haustiere), Bekannte, Freunde, sofern sie nicht in die gleiche Gegend ziehen, den Kirchturm, die Gemeinde, den CVJM, die Stadt (Lebus, nicht Frankfurt) überhaupt, die Oder, eigentlich alles Vertraute und alle Vertrauten. Und obwohl nichts davon aus der Welt ist und man irgendwann zurückkehren wird, wenn auch nur für begrenzte Zeit, wird man nie zurückkehren.
Wer weggegangen ist, ist weggegangen, und wenn man zurückkommt, kommt man nicht dorthin zurück, von wo man gegangen ist; um für mich selbst zu sprechen: aus Halle nach Hause zu kommen wird nicht dasselbe sein, wie von der Klassenfahrt oder aus dem Urlaub zurückzukommen. Der Abschied ist also gewissermaßen endgültig. Und am Schlimmsten: man befindet sich auf einer Brücke. Das Festland hinter sich hat man verlassen, und die andere Seite, im Nebel der Zukunft verborgen, noch nicht erreicht.
Das ist zugleich die Freude: zu erfahren, wie es auf der anderen Seite aussieht. Eine neue Stadt kennen zu lernen, neue Leute, neue Freunde, selbstständig zu sein, allein für sich verantwortlich und nur für sich und ein eigenes Leben zu führen, mit all seinen schönen und weniger schönen Seiten. Und dahinter geht es noch weiter und immer noch weiter: die Zukunft ist unüberschaubar.
Um zum Punkt zu kommen: Es schließt sich zwar eine Tür, dafür aber öffnen sich hundert andere. Nur die richtige Tür sollte man aus den Hunderten wählen. „Geht ein durch die enge Pforte, denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der ins Verderben führt.“ (Mt. 7,12–14).
Folglich wird nicht die Tür die beste sein, die sofort ins Auge springt, sondern die, die man erst suchen muss, und die sich (hoffentlich) mit der Zeit zeigen wird.
Und ähnlich wie Luther sagte: Nun gehe ich, und ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.
Carl Boesch (1880 – 1945)
Lehrer, Dichter und ehemaliges Mitglied unserer Kirchengemeinde
1909 – also vor 100 Jahren veröffentlichte Carl Boesch seinen ersten Gedichtband „Am Waldesrande“, 1919 also vor 90 Jahren sein zweites Werk „Vom Adel“ (Aphorismen). Im gleichen Jahr ist das Ehepaar Carl und Klara Boesch aus Frankfurt (Oder) nach Lebus gezogen, nachdem sie den so genannten „Pedenhof“ ein gutsähnliches Grundstück in der Lindenstraße Nr. 185 gekauft hatten. Beide nahmen sofort regen Anteil an den gesellschaftlichen Ereignissen dieser komplizierten Umbruchzeit in Lebus, engagierten sich bei sozialen Aktionen zur Linderung der Not und waren aktiv in der Kirchengemeinde unserer Stadt.
Carl und Klara Boesch
waren zuvor Lehrer am Frankfurter Gymnasium gewesen. Beide im Geiste der Zeit getragen von einem heute kaum mehr nach zu vollziehenden hohen Idealismus und Patriotismus zogen sich nach dem verlorenen 1. Weltkrieg desillusioniert aus dem Schuldienst zurück.
In Lebus sammelte sich einen grossen Freundeskreis:
Familie Dr. Luhmann, Familie Kopfermann,
Familie Zeppner, Naemi Welke von r. d. Oder,
den Maler Karl Lukas Honegger usw.
Um ihre schmalen Pensionen aufzubessern,
züchteten sie „Legehorn“ (weiße Hühner) und verkauften Eier aus „akademischer Hühnerhaltung“, wie die Lebuser spöttisch sagten.
Ihren Idealen treu unterstützten sie in Not geratene Freunde, gaben Schülern unentgeltlich Nachhilfeunterricht, erteilten Klavierunterricht und beschäftigten sich mit Philosophie und den schönen Künsten. Der "Boeschhof" soll ein richtiger Musenhof gewesen sein.
Pfarrer Labitzke nimmt an, dass sogar Gerhard Hauptmann auf dem Hof eine Dichterlesung, Käte Kollwitz eine Bildausstellung dort durchgeführt haben.
Dem aufkommenden Nationalsozialismus standen sie sehr ablehnend gegenüber und äußerten sich auch entsprechend kritisch. In der Annahme, dass Ihnen bei dieser Einstellung nichts passieren würde, sind die beiden alten Leute 1945 nicht mehr auf die Flucht gegangen und beim Einmarsch der Roten Armee ums Leben gekommen.
In seinem Testament vom 1. Februar 1945 legte Carl Boesch, getreu seinen Idealen, eine soziale Zweckbindung seines Grundstückes in der Lindenstraße fest. Tatsächlich bestand 1945/46 von der befreundeten Naemi Welke die Absicht ein Heim für Kinder, die im Krieg ihre Eltern verloren hatten, zu errichten.
Dazu ist es ja nicht gekommen: zu dieser Zeit hatte die sowjetische Verwaltung schon die Enteignung und Errichtung ihres Ehrenfriedhofes dort angeordnet.
Gott – Mensch
(aus einer Handschrift unveröffentlichter Gedichte: 1915)
Wo hört der Mensch auf? Wo fängt Gott an?
Wo hört der Fels auf? Wo beginnt die Burg als Graal?
Schuf Gott die Menschen? Schuf die Menschheit Gott? –
Wann ist der Abgrund tiefer, wenn Du oben stehst
und senkst das Blei hinab? wenn Du tief unten suchend
das Haupt erschauend hebst und siehst doch oben Licht?
Du stammelst Gott, und ist dein Auge doch
das ihn erblickt, er gab dir`s, ihn zu sehen.
Das Christusbild
Karfreitag
Nun ballt der Winter die Faust nicht mehr,
Er schwamm auf der letzten Scholle ins Meer.
Es fallen die ehernen Bande; -
aber stumm über dem ganzen Lande
Ragt doch der Erlöser am Kreuz.
Der Frühling lagert um Haus und Hof,
er lockt zum Tanze und Spiele heraus,
Es baden die Hühner im Sande, -
Aber stumm über dem ganzen Lande
Ragt der Erlöser am Kreuz.
Ostern
Der Frühling lagert um Hof und Haus,
es gehen die Kinder mit Blumen hinaus.
Sie locken dem Dulder ein Lächeln vom Munde.
Er steigt vom Kreuze um diese Stunde
Und herzt die Kleinen und segnet die Welt.
Vom Adel , Kap. Religion
Religion ist die höchste Kraft der Seele.
Sie trägt, hütet, heiligt das Leben, sie befähigt uns, es zu meistern
und zu steigern, es auf den Weg zu seinem Ursprung, zu Gott, zurückzuführen.
Laßt uns nur immer bescheidener, stiller, wahrhaftiger, völliger werden
und immer mehr wir selbst.
Dies macht für Gott den Weg in uns frei.
Der Gedanke, daß Gott alles ist und weiß,
nimmt uns oft das Gebet von den Lippen.
Aber auch ein stilles Tragen und ein reines Wirken ist Gebet.
Wo immer wir den Gründen des Verfalls nachgehn,
stoßen wir auf einen Mangel an Religion,
und wo immer wir bauen wollen,
muss Religion der Baugrund sein.
Freilich müssen wir erst wieder lernen, was Religion ist,
nämlich Ehrfurcht vor allem, was aus Gottes Hand ist,
Heiligung des Lebens,
Erkenntnis und Befreiung Gottes in uns.
„Das Klingelbeutelchen“ ist die Ankündigung in unserem Brief, wenn es um´s Gemeindekirchgeld geht. Der Umbau des Pfarrhauses hat uns lange in Atem gehalten - und da ist noch kein Ende in Sicht. Wir brauchen die Hilfe aller in unserer Gemeinde.
Zur Erinnerung: Gemeindekirchgeld ist der Beitrag, der ausschließlich unserer eigenen Gemeinde zugute kommt. Es gibt dafür keine festgelegten Beitragssätze - ein Richtwert sind 5% vom Januareinkommen (Rente oder Arbeitslosengeld).
Einfach, übersichtlich und nachvollziehbar ist es, seinen Beitrag zu überweisen. Bankformulare finden Sie in diesem Brief. (oder - Konto: Kirchl. Verwaltungsamt Ff/O. Nr. 23 778877 - BLZ 100 602 37 - Stichwort: Kirchgeld 2009 Lebus)
Ein besonderer Dank allen, die sich schon von selbst aufgemacht haben, um ihren Teil zum Gelingen beizutragen.